eseliges Wochenende 2010

Judith und Gregor Schmidt luden vom 4. bis 6. Juni 2010 zum 2. Treffen für Esel und ihre Freunde ins Hohe Venn ein.


Das war das 2. eselige Wochenende bei den Schmidts

 

Jutta Böckmann war diesmal mit ihren Eseln angereist.

 

Wir schreiben das Jahr 2010. Es ist Freitag der 4. Juni, 15.53 Uhr und die Sonne brennt unbarmherzig auf die Erde herab. Gut durchgeschmort verlassen wir unser Auto und klingeln an der Schmidt'schen Haustür. Judith öffnet sofort, aber sie sieht genervt aus. Mir egal. Ich bin froh, die 4-Stunden-Fahrt bis nach Belgien gut hinter mich gebracht zu haben und drücke sie an mich. Judith erklärt, dass sie gerade im Moment dabei ist, die scheueren Katzen vor der angemeldeten Menschenmenge wegzusperren und ich verstehe nun, wieso sie so reserviert ist. 10 Katzen zu sortieren ist eine knifflige Angelegenheit.

Gregor übernimmt und wir checken ein. Unsere Unterkunft ist der Wohnwagen in der Scheune und unsere Esel kommen auf die Gemeinschaftsweide. Die Fahrt haben meine Langohren ebenfalls gut überstanden. Keine Scheuerstellen am Popo, das ist schon mal viel wert.

Wir richten uns ein und Judith erzählt etwas miesepetrig, dass auf den letzten Drücker noch einige Absagen gekommen sind und sie nun wahrscheinlich viel zu viel zu Essen hat. Das Gute daran ist allerdings, dass niemand Hunger leiden wird.

Ich war ja schon häufiger bei den Schmidts zu Besuch und kenne alle Tiere (2 Esel, 6 Ziegen, 10 Katzen und 1 Hund) recht gut, doch diesmal gibt es „neue“ Tiere zu besichtigen. Judith beherbergt inzwischen auch eine Eselmutter mit Fohlen und wie das bei Fohlen halt so ist, ist auch dieser junge Mann keine Ausnahme: er ist zuckersüß, total neugierig und lässt sich liebend gerne kraulen. Balsam für meine Seele.

Außerdem gibt es noch Riesenesel Theo und Hausesel Toni, die sich zur Zeit in Judiths Obhut befinden. Die Jungs bleiben für ein paar Monate und werden von ihr ausgebildet. Theo bestaunt ein jeder, weil er mit seinen knapp 3 Jahren schon 156 cm misst und Toni beeindruckt durch sein weißes, zotteliges Fell.

Wie immer findet bei den Schmidts alles inmitten der Tiere statt. Also nicht irgendwie mit einem Zaun dazwischen, so dass man die Tiere nur sehen kann, nein, man trinkt, isst und klönt im Auslauf, wo es Bänke und Tische gibt, sprich wo es sich alle gemütlich machen können. Die Tiere kommen dann immer wieder mal vorbeigeschlendert und holen sich eine Streicheleinheit ab.

Meine eigenen Esel Noah und Elias haben sich inzwischen gut eingelebt und bestaunen die 14 Schafe mit ihren Lämmern auf der anderen Seite des Zauns. Am Abend treffen noch weitere Eselfreunde und sogar eine Ziegenfreundin ein. Es wird geschlemmt und wir lernen uns alle kennen.

Die Nacht ist viel zu kurz, doch das Vogelgezwitscher lockt mich aus den Federn. Ich genieße den Sonnenaufgang mit Schmidts Tieren, die nach und nach aus dem Offenstall in den Auslauf kommen. Eine Tasse Kaffee in der einen Hand, eine Zigarette in der anderen und meinen Mann neben mir auf der Bank, der eine Ziege zwischen den Hörnern krault. Ja, so sollte man eigentlich jeden Morgen beginnen dürfen.

Das Frühstücksbuffet ist eröffnet und weitere Eselfreunde reisen an. Judith und Gregor stehen immer Rede und Antwort und erklären warum und wieso sie sich für diese Art Zaun entschieden haben, es ist nämlich ein katzensicherer Zaun, oder wieso sie Hobelspäne als Einstreu benutzen, oder sie zählen noch mal die jiddischen Namen ihrer Tiere auf und, und, und.

Ich kenne das alles bereits und genieße es, mal nichts zu tun und mich mit anderen Eselfreunden auszutauschen.

Meine Esel sind nun nicht mehr alleine auf der Weide. Zwei weitere Jungs sind hinzugekommen. Die beiden sind noch recht jung, aber deshalb, oder sollte ich besser sagen genau deshalb nicht weniger frech. Doch die Weide ist groß genug, dem jungen Gemüse aus dem Weg zu gehen.

Am Mittag der Aufbruch zur Wanderung mit den Eseln. Ich selber kann nicht mitgehen, da ich schon seit einiger Zeit Schmerzen im Fuß habe. Macht aber nichts. Ich bewache gerne den Schmidt'schen Hof.

Am frühen Nachmittag kommt wieder eine Eselfreundin an, die eigentlich bei der Wanderung mitgegangen sein wollte. Der Stau durch Hessen hatte ihr aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. So berichtet sie mir, was sie alles mit ihren Equiden macht, denn sie arbeitet in der Hippotherapie.

Am Nachmittag kommen meine 3 Jungs (Ehemann und Esel) wohlbehalten von der Wanderung zurück. Sie hatten unterwegs eine große Pause an einem Waldhäuschen eingelegt und wurden aus einer Gulaschkanone verköstigt.

Nun sortieren sich die Neuankömmlinge unter die „alten Hasen“ und Judith empfängt ihre Tierärztin, die einen praktischen Vortrag über erste Hilfe am Esel hält. Ihre Zwergesel Samuel und Masl-tow sind bereitwillige „Opfer“, die sich Bandagen anlegen lassen und Zwergeselmama Bella und Fohlen Le Chaim gesellen sich derweil unter die Zuschauer.

Zwei Stunden sind nun um und alle konnten ihre eseligen Fragen loswerden. Man lernt ja bekanntlich nie aus.

Es duftet nach Gegrilltem. Um 22.00 Uhr kommen erneut Eselfreunde hinzu, doch die Schmidt’schen Tiere lassen sich davon nicht aus der Ruhe bringen, sondern gehen in den Stall und nehmen ihre Mütze voll Schlaf. Wir hingegen können kein Ende finden und der Abend zieht sich bis tief in die Nacht.

Der nächste Morgen: Sonnenaufgang, Kaffee, Zigarette, Bank, Ehemann, Ziege … das Urlaubsgefühl ist im vollen Gange. Einige Eselfreunde reisen ab, andere kommen gerade erst an. Nun steht auch eine Großeselstute auf der Gemeinschaftsweide, aber sie zeigt ihren Artgenossen die kalte Schulter.

Das Frühstück ist üppig und dauert entsprechend lang. Alles muss weg. Es sollen keine Reste bleiben, denn die Schmidts sind Vegetarier und essen keinen Aufschnitt. Sabine, die Ziegenfreundin, hat einen verstellbaren Packsattel für Ponys mitgebracht, den wir an den Zwergeseln testen. Außerdem ist die Eselboutique geöffnet.

Mittagszeit ist Zirkuszeit. Judith baut etliche Utensilien auf und die Gastesel dürfen nun über Teppiche gehen, Bälle anstupsen, wehenden Fahnen trotzen, auf Podesten hoch erhobenen Hauptes stolz die Brust herausdrücken und im leichten Wind säuselnden Seifenblasen hinterherstaunen.

Der Himmel zieht sich zu und der Regen ergießt sich urplötzlich und die Eselfreunde schwärmen in alle Himmelsrichtungen davon. Eine Hand voll bleibt und so lassen wir das Wochenende in Schmidts Seminarraum bei Kaffee und Kuchen ausklingen.

Zuhause im Münsterland wieder angekommen, lasse ich das Wochenende Revue passieren und kann für mich sagen, dass ich super stolz auf meine 3 Jungs bin, die sämtliche Hürden, menschlich wie auch tierisch, mit Bravour gemeistert haben.

Meine Esel haben viel dazu gelernt. Noah ist auf der Wanderung zum ersten mal ohne viel Tamtam zwischen zwei Pfützen durchgegangen und am Sonntag sogar über den Teppich und die Wippe gestiegen. Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Und auch das Verladen in den Anhänger funktioniert von Mal zu Mal besser. Übung macht halt den Meister und wir können solchen Unternehmungen von Mal zu Mal immer entspannter entgegen sehen.